{"id":401,"date":"2023-12-18T11:01:46","date_gmt":"2023-12-18T10:01:46","guid":{"rendered":"https:\/\/isonyx.de\/?p=401"},"modified":"2023-12-23T12:03:00","modified_gmt":"2023-12-23T11:03:00","slug":"der-macht-nix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isonyx.de\/?p=401","title":{"rendered":"Der macht nix &#8230;!"},"content":{"rendered":"\u201eSteinchen schnicken, macht meiner gern!\u201c\n\u201eAch ja? Da steht meiner nicht so drauf!\u201c\n\u201eHat Ihrer schon mal?\u201c\n\u201eWas?\u201c\n\u201eNa, gezeugt.\u201c\n\u201eWie? Ach so! Nein, nein, meiner ist ein Weibchen!\u201c\n\u201eH\u00e4tten Sie ja auch gleich sagen k\u00f6nnen!\u201c\n\u201eOh, Ja, da haben sie wohl recht!\u201c\n\n<!--more-->\n\nSo schlendern wir dahin im kleinen Park an einem wundersch\u00f6nen Fr\u00fchlingsmorgen. Die mittel\u00e4ltere Dame an meiner Linken ist mit \u201eRandy\u201c unterwegs, einem (!) reinrassigen Scotch-Terrier, der aussieht, als sei sein Papa ein gewichts-preisgekr\u00f6nter Basset und Mama ein mutiertes Exemplar ihrer Rasse gewesen. Schwer japsend wuchtet er sich \u00fcber den Kiesweg. Die Dame ist sehr nett. Schlie\u00dflich hat sie mir gro\u00dfz\u00fcgig verziehen, als ich sie beim ersten Zusammentreffen fragte: \u201eWas ist denn das f\u00fcr ein Mischling?\u201c\n\nMeine Kleine, reinrassiger Mischlings-Tierheimhund mit traumatischer Vergangenheit federt \u00fcber die Wiese. Kleiner, als die meisten handels\u00fcblichen Hauskatzen. Gr\u00f6\u00dfentechnisch angesiedelt zwischen Meerschweinchen und Waschb\u00e4r.\n\nMadame l\u00e4\u00dft mich an Ihren Lebens\u00fcberzeugungen teilhaben, w\u00e4hrend ich umsichtig die Gegend nach Riesenhunden abschaue.\n\n\u201eAlso, wer Hunde nicht mag, der mag auch keine Menschen, sag ich immer &#8230;! Insbesondere, schon gar nicht, Kinder! Was meinen Sie?\u201c\n\n\u201eTja, da k\u00f6nnte was dran sein, weil &#8230;\u201c\n\n\u201eAlso, mein Mann und ich, wir fahren ja sogar immer getrennt in den Urlaub, weil \u201aRandy\u2018 unm\u00f6glich alleine bleiben kann \u2013 und weggeben, also, weggeben kommt gar nicht in Frage! Ich sag ja immer, wer einen Hund haben will, mu\u00df sich auch der Verantwortung bewu\u00dft sein. Hundeliebe, \u00fcberhaupt Tierliebe ist eine Tugend! Die meisten Leute vergessen das. Wer keine Hunde mag, mag auch keine Menschen. Das sag ich immer!\u201c\n\n\u201eNa ja, das mit dem getrennten Urlaub ist doch sicher sehr aufwendig, oder?\u201c\n\n\u201eJa, aber stellen Sie sich doch mal vor, in unserer Abwesenheit w\u00fcrde \u201aRandy\u2018 von irgend einer H\u00fcndin reingelegt &#8230;\u201c\n\n\u201eWas???\u201c\n\n\u201eNa, er ist immerhin reinrassig. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was man uns schon f\u00fcr Geld geboten hat, um \u201aRandy\u2018 abzukaufen. Unser Wohnzimmer steht voller Pokale, voller Pokale, sag ich Ihnen. Wenn er sich schon vermehrt, dann mu\u00df das wohl ausgesucht sein, verstehen Sie? Sozusagen handverlesen!\u201c\n\n\u201eAch.\u201c\n\n\u201eNa viel Ahnung von Hundezucht haben Sie aber nicht, oder? Was ist Ihrer denn f\u00fcr eine Rasse?\u201c\n\n\u201eTja, das kann man so genau nicht sagen. Die haben mir gesagt, es sei ein Malteserm\u00e4dchen. Aber in der Aue habe ich mal eine Frau getroffen, die hat geschworen, da\u00df sie ein \u201aHavaneser\u2018 w\u00e4re. Keine Ahnung.\u201c\n\u201eJa, wo haben Sie sie denn gekauft?\u201c\n\n\u201eGekauft ist ein bi\u00dfchen \u00fcbertrieben, ich hab sie mit \u2018ner kleinen Spende aus dem Tierheim geholt.\u201c\n\n\u201eOh! Na ja. Ist ja trotzdem ganz possierlich das Tierchen.\u201c\n\u201eDanke.\u201c\n\nRandy kackt mitten auf den Kiesweg. Prima. Auffordernd bleibe ich stehen und warte, da\u00df Madame die reinrassige Wurst entsorgt. Irgendwie hat diese aber einen Anfall von vor\u00fcbergehender, spontaner Blindheit und schlendert teilnahmslos weiter. Hartn\u00e4ckig bleibe ich am Ball.\n\n\u201eAlso, ich hab\u2019 so kleine T\u00fctchen dabei und Zewa-T\u00fccher!?\u201c\n\n\u201eBitte?\u201c\n\n\u201eIch w\u00fcrde Ihnen selbstverst\u00e4ndlich gerne ein T\u00fctchen und \u2018n Zewa-Tuch geben &#8230;\u201c\n\n\u201eAch ja &#8230; richtig, richtig. So was, jetzt war ich aber in Gedanken &#8230;\u201c\n\nDas L\u00e4cheln kommt verdammt gequ\u00e4lt. Randy hat aber auch eine gute Verdauung. \n\nMein L\u00e4cheln an dieser Stelle kommt \u00fcberhaupt nicht gequ\u00e4lt. Madame beginnt, glaube ich, den Hundespaziergang mit mir auf ihre eigene Art und Weise zu genie\u00dfen. Sch\u00e4tzungsweise wird das unser letzter gemeinsamer Ausgang. Ihr Blick hat was Feindliches. Ich setze mein breites High-School-L\u00e4cheln auf und bem\u00fche mich um lockere Konversation.\n\nIn der Zwischenzeit sind mehrere Hundebesitzer auf die Idee gekommen, sich und ihre Sturmbegleiter im Park auszul\u00fcften. Besonders auff\u00e4llig ist ein ziemlich spa\u00dfig aussehendes Trio. Eine kleine, sehr schm\u00e4chtige Frau wird ausgef\u00fchrt von einem gigantischen Rottweiler und hat wohl zum pers\u00f6nlichen Schutz einen Yorkshire-Terrier an der Leine. Find ich prima. Der dicke Rotti darf ohne Leine gehen, aber die gef\u00e4hrliche Killerbestie von Yorki wird safe gef\u00fchrt. Ich mu\u00df eben auch nicht alles verstehen.\n\nMadame hat den Geruch lang wieder aus der Nase und ist wieder ein bi\u00dfchen gespr\u00e4chsbereiter. \n\n\u201eAlso, die Engstirnigkeit der Leute ist ja entsetzlich. Diese Intoleranz gegen\u00fcber Hundebesitzern, diese Anfeindungen, unbeschreiblich! Man sollte offener und herzlicher sein, was meinen Sie?\u201c\n\n\u201eAlso, ich denke &#8230;\u201c\n\n\u201eWissen Sie was ich meine? Meiner Meinung nach sollten die Leute einfach freundlicher miteinander umgehen! Egal, ob Hunde- oder Katzenmenschen. Insbesondere wir Hundebesitzer m\u00fcssen zusammenhalten, was meinen Sie?\u201c\n\n\u201eJa.\u201c\n\nEin Zwei-Buchstaben-Wort ist so ziemlich das einzige was ich reinquetschen kann, wenn Madame denn gespr\u00e4chig ist.\n\n\u201eFreundlicher und offener! Beides! Mit mehr Gef\u00fchl und Verst\u00e4ndnis, verstehen Sie?\u201c\n\u201eJa.\u201c\nDas \u201eJa\u201c kommt immer ganz gut durch. Beim Luftholen f\u00fcr\u2019s n\u00e4chste Wort wird\u2019s aber schon schwierig.\n\nIn einiger Entfernung n\u00e4hert sich nun das Trio aus Rotti, Yorki und Mini-Mami. Der Rotti bleibt stehen. Aus einem mir von meinem Gehirn nicht n\u00e4her erl\u00e4uterten Grund bleibe ich auch stehen. Madame, in ihren Monolog vertieft, steht ebenfalls. Unsere Hunde, besonders meine Kleine, \u00e4ugen ziemlich beunruhigt nach vorne. Und? Jetzt passiert\u2019s! \n\nDer Rotti haut den Allradantrieb rein, sch\u00e4tzungsweise achtzig Kilogramm Lebendgewicht werden schneller und schneller. Mein Hundchen bewegt sich r\u00fcckw\u00e4rts. Randy hat noch nicht so ganz den Durchblick und glotzt ziemlich schwerf\u00e4llig in Richtung der schwarzen, brandgef\u00e4hrlichen Masse, deren Augen gelb aus dem Lackschwarz herausleuchten. Mir geht der Hintern auf Grundeis. Mein L\u00e4cheln is\u2018 schon lange weg, mein Hund steigt mir am Bein hoch und will hochgehoben werden. Schei\u00dfe. Was kommt jetzt? Das wird doch hoffentlich nicht die Geschichte: \u201e&#8230; mein Frauchen macht Dich fertig, du Arsch &#8230;!\u201c Schluck. Mir h\u00e4ngt das zitternde Fellb\u00fcndel auf\u2019m Arm. Madame kapiert noch langsamer als Randy, der jetzt ebenfalls an ihrem Bein klebt und winselnd um Arm-Asyl bittet. Irgendwie geht alles ziemlich schnell und Angst flie\u00dft mir aus jeder Pore.\n\nIm Hintergrund mit dem an der Leine baumelnden Yorki, ruft Mini-Mami mit wild schwingenden Armen: \u201eDER MAAAAAAACHT NIX !!!\u201c\n\nKlasse. \n\nAls ich mich im Laufen umdrehe, sehe ich gerade noch aus einigen Metern Entfernung wie die schwarze Wucht auf der Brust von Madame, die unter dem Sprung l\u00e4ngs auf dem Kiesweg aufgeschlagen ist, zum Stehen kommt. Wahnsinn! Randy ist noch nicht einmal andeutungsweise zu sehen. Baby h\u00e4ngt mir winselnd im T-Shirt-Ausschnitt. Wir dr\u00fccken uns hinter einen Geborgenheit einfl\u00f6\u00dfenden Baum. Vorsichtig luge ich vorbei. \n\nMini-Mami br\u00fcllt immer noch, aber jetzt\u2019n ganz anderen Text: \u201eBleiben Sie ruhig liegen. Ganz ruhig. Ich hol\u2018 meinen Mann. \u201aTerror\u2018 kommst Du jetzt her!!! Kommst Du von der Dame da runter!!!\u201c\n\u201aTerror\u2018 knurrt, da\u00df ich es bis hinter meine Zuflucht h\u00f6ren kann. Mein Gott, wie soll ich hier blo\u00df wegkommen?\n\nMadame liegt regungslos, leise schluchzend unter \u201aTerror\u2018, der mittlerweile in ihrem Busen nach dem abgehauenen \u201aRandy\u2018 sucht. In meiner Verzweiflung \u00fcberlege ich mir, ob schon mal ein Fall von sexueller N\u00f6tigung  eines Rottweilers an einer Dame vorgefallen ist&#8230; Quatsch!\n\nMini-Mami schleift Yorki fast zu Tode, der v\u00f6llig \u00fcberfordert mit der angeschlagenen Geschwindigkeit in der Leine h\u00e4ngt. Ihr Ruf-Text lautet jetzt: \u201eKarl-Heinz!!! Karl-Heinz!!! Karl-Heinz!!!\u201c\n\nKarl Heinz mu\u00df sein verdammtes H\u00f6rger\u00e4t ins Klo geschmissen haben! Das Geschrei von Mini-Mami kann man garantiert vom Tannenw\u00e4ldchen bis in die Friedrich-Ebert-Stra\u00dfe h\u00f6ren. Blo\u00df Karl-Heinz h\u00f6rt nix.\n\nNa nur gut, da\u00df\u201a wenn Karl-Heinz schon nix h\u00f6rt, Terror\u2018 auch nix macht!\n\nIch kleb\u2018 am Baum, Baby zittert immer noch. Neben uns taucht ein vibrierendes Etwas aus einem Busch auf: \nRandy! Du Verr\u00e4terschwein! Deine Alte liegt unter\u2019m 80-Kilo-Rotti und Du haust ab! Wie war das? \u201eEin Hund steht Dir im Sturme bei, ein Mensch nicht mal im Winde &#8230;\u201c. Irgendwie hat der Dichter damals nicht \u201aRandy\u2018 gemeint.\n\nEndlich!!! Karl-Heinz!!!\n\nEin gro\u00dfer Herr, im sportlichen Golf-Look eilt herbei. Mini-Mami hat mittlerweile verstanden, da\u00df der Yorki kurz vorm Abnippeln war und hat die Windhund-Hasen-Attrappe auf den Arm genommen. \n\nEin lautes Br\u00fcllen von \u201eKarl-Heinz\u201c und Rottis Kopf schnappt herum, wie ein ge\u00f6ltes Scharnier. Er verl\u00e4\u00dft die \u00fcppige Oberweite von Madame und schleicht mit gesenktem Haupt Richtung Herrchen. Karl-Heinz ist stinksauer. Der Rotti wird, je n\u00e4her er ihm kommt, immer kleiner und scheinbar flacher. Schlie\u00dflich liegt er auf dem Boden. \n\nMadame steht auf. Sie erholt sich erstaunlich schnell und setzt ein tierisches Organ frei.\n\n\u201eSie Dreckschlampe!!! Ihre scheisst\u00f6le auf mich zu hetzen!!! ICH ZEIG SIE AN!!! UND IHREN FOTZENlecker k\u00f6nnen sie gleich mitnehmen aufs revier!!! DAS HAT FOLGEN!!! MEIN MANN IST ANWALT!!!\n\nMeine Herren! Junge, Junge &#8230; Wie war das ?\n\n\u201eWissen Sie was ich meine? Meiner Meinung nach sollten die Leute einfach freundlicher miteinander umgehen! Egal, ob Hunde- oder Katzenmenschen. Insbesondere wir Hundebesitzer m\u00fcssen zusammenhalten, was meinen Sie?\u201c\n\nTja, und das alles an einem stinklangweiligen Dienstag-Vormittag im Tannenw\u00e4ldchen &#8230;\n\n***\n\nAch \u00fcbrigens, mein Name ist Schneider und vielleicht k\u00f6nnen Sie sich ja einen Reim darauf machen, WER da jetzt noch mit auf die Wache sollte &#8230; der Yorki oder Karl-Heinz? \n\nSch\u00f6nen Tag noch.\n\nIsonyx<p>Views: 272<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSteinchen schnicken, macht meiner gern!\u201c \u201eAch ja? Da steht meiner nicht so drauf!\u201c \u201eHat Ihrer schon mal?\u201c \u201eWas?\u201c \u201eNa, gezeugt.\u201c \u201eWie? Ach so! 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