{"id":612,"date":"2023-12-22T15:17:46","date_gmt":"2023-12-22T14:17:46","guid":{"rendered":"https:\/\/isonyx.de\/?p=612"},"modified":"2023-12-27T16:10:43","modified_gmt":"2023-12-27T15:10:43","slug":"carry-me-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/isonyx.de\/?p=612","title":{"rendered":"Carry me"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir befinden uns in Tucson: Ich interviewe Jo Idiot bei 40\u00b0 im Schatten, und wie man wei\u00df, rutscht Kunst \u00fcberall durch und raus: aus W\u00fcsten ebenso, wie aus sterbenden, zahnlosen M\u00e4ulern. Ich begann mit den Fragen und alles m\u00fcndete, wie immer, in diesem Affentheater, von, wir beide tun so, als w\u00e4re das ein echtes Interview und nicht nur ein Gef\u00e4lligkeitskl\u00fcngel, bestehend aus vorgefertigten Fragen und ebensolchen Antworten. Pseudoschriftsteller, die ein Mal im Leben die richtige Hand gesch\u00fcttelt haben, oder sonst was.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auf dem Weg hierher kam ich \u00fcber diese holprige Landstra\u00dfe und sah parallel dazu einen Fu\u00dfweg. Ausgetrampelt, rau und rissig, wie alte Arbeitsh\u00e4nde. Staubig m\u00fcndete er in eine klapprige Holzbr\u00fccke, um sich am Waldrand weiter zu schl\u00e4ngeln. Nachdem ich diesen Mumien, die schlicht zu faul und zu fett zum Umfallen waren, die B\u00fchne beleuchtet hatte, wollte ich nur noch meine Schuhe ausziehen, den Dreck aus den Socken sch\u00fctteln und in das kleine Fl\u00fcsschen tauchen. Ich wollte den Libellen zuschauen und meine Tasche am liebsten einfach liegenlassen, wie ein achtlos zur\u00fcckgelassene Kofferbombe. Diese Interviewreihe f\u00fcr den Verlag dauerte jetzt schon vier Wochen und ich besuchte nur Scheintote, deren Literatur glibberig und abgekupfert war. Alles wirkte auf mich, wie Fast Food, was zu lange in den Papiert\u00fcchern vor sich hingeweicht war. Alles war trocken und stank nach altem K\u00e4se. Ihre Augen waren irgendwie rosa, wobei in diesem blassen Rosarot Pupille und Iris verschwammen wie frische Regentropfen auf Alt\u00f6lpf\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber, ich hatte noch gut vier Stunden Zeit bis ich in diesem St\u00e4dtchen sein musste, wo mich \u201aIdiot Irgendwer\u2018 am Bahnhof erwartete. Ich w\u00fcrde dem blassen, schwinds\u00fcchtigen Zeitungsgehilfen sein Rad zur\u00fcckgeben. Aber hier und jetzt, konnte ich die Augen schlie\u00dfen, dem Pl\u00e4tschern zuh\u00f6ren. Summen. Ich hatte in dieser hei\u00dfen, kaputten Stadt seit Jahren kein Summen mehr geh\u00f6rt, au\u00dfer von defekten Radiatoren. Zirpen. Fiepsen. Je l\u00e4nger ich zuh\u00f6rte, umso sch\u00f6ner klang es. Ein Orchestergraben unter der Holzbr\u00fccke. Ich nahm meine F\u00fc\u00dfe aus dem Wasser, legte mich auf das warme Holz und atmete zum ersten Mal seit meiner Kindheit wieder Luft, die anders roch, als verdorbene Lebensmittel, Autoabgase, g\u00e4rende Reste, oder den stinkigen Smog, den die Vulkanisierungs-Industrie am Stadtrand jede Nacht \u00fcber die Billigwohnungen ausgoss.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich tr\u00e4umte von Mathilda. Wahrscheinlich die sch\u00f6nste Frau mit der ich jemals k\u00f6rperlich vereinigt war. Von ihrem goldroten Haar, ihrer Z\u00e4rtlichkeit, ihren weichen Br\u00fcsten, den sauberen H\u00e4nden, ihrer Makellosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ganz zum Schluss, als mich ein Lastwagen aus dem Halbschlaf riss, fiel mir ein, wie ihre gro\u00dfen Br\u00fcder mich geschlagen hatten, weil ich ihre wundersch\u00f6ne Schwester befleckt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein riesiger violettfarbiger Sch\u00e4del hing aus dem offenen Fahrerfenster: \u201eHey, Kleiner, willst du mit in die Stadt?<\/p>\n\n\n\n<p>Wirf dein Rad auf die Pritsche hinten, ich kann ein bisschen Unterhaltung gebrauchen!\u201c<\/p>\n<p>Views: 284<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir befinden uns in Tucson: Ich interviewe Jo Idiot bei 40\u00b0 im Schatten, und wie man wei\u00df, rutscht Kunst \u00fcberall durch und raus: aus W\u00fcsten ebenso, wie aus sterbenden, zahnlosen M\u00e4ulern. 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